„Bis zu 240 Laster, Nacht und Nacht“

Die Bürgerinitiative „Weilbach wehrt sich“ fühlt sich von der SPD missverstanden

Die Anwohner der Durchfahrtsstraßen reagieren auf die Rede von Gerd Mehler in der Stadtverordnetenversammlung. Und sie beschweren sich über die Tatenlosigkeit der Stadt.

Weilbach. In der Diskussion über die neue Regelung des innerörtlichen Verkehrs in Weilbach ist schon viel Porzellan zerschlagen worden. Die letzte Rede vor den Stadtverordneten von SPD-Mann Gerd Mehler, der sein Mandat niederlegt, ruft die Bürgerinitiative „Weilbach wehrt sich“ jetzt erneut auf den Plan. Dieses Mal wehren sich die verärgerten Anwohner der Durchgangsstraßen gegen Mehlers Behauptung, die BI sei parteipolitisch ausgerichtet.

Wie berichtetet, hatte ein Bündnis aus SPD, Galf und bfb den Ausbau der Kreuzung Rüsselsheimer/Frankfurter/Mainzer Straße abgesegnet. Die Ampelanlage und die beiden Linksabbiegespuren sollen an dem neuralgischen Punkt also eingerichtet werden. Dass die Bürgerinitiative nun für die dagegen votierenden CDU und FDP Politik machten, stimme nicht, sagt Werner Siebel von „Weilbach wehrt sich“. Wenn die CDU die Problematik genauso sehe wie die BI, sei das erfreulich. „Wir zögern auch nicht, auf diese Gemeinsamkeit hinzuweisen“, sagt Siebel. „Wenn sich die anderen Parteien für unsere Belange einsetzen, werden wir das ebenso positiv zum Ausdruck bringen.“

Mehr Platz für Lkw 

Würde, wie Mehler argumentiere, Weilbach durch den Bau einer Ampel an der Kreuzung für die Fußgänger sicherer gemacht, so hätte „Weilbach wehrt sich“ nichts dagegen, betont Siebel. Die Bürgerinitiative nimmt jedoch an, dass das Argument von den Ampel-Befürwortern vorgeschoben worden ist. Sie begründet das so: Frühere Forderungen nach einer Lichtsignalanlage seien seitens der Behörden immer zurückgewiesen worden, weil der Verkehr fließen müsse. Jetzt ist die Ampel jedoch beschlossene Sache. Ein klarer Fall für die BI: Die Kreuzung solle Lkw-tauglich gemacht werden.

Damit meine die Bürgerinitiative nicht, dass durch die Ampel und Abbiegespuren automatisch mehr Laster durch Weilbach fahren würden. Eine Zunahme des Lkw-Verkehrs entstehe spätestens dann, wenn die Lagerkapazitäten der Firma Transthermos voll ausgelastet seien und der für die nächsten Jahre angekündigte Erweiterungsbau in Betrieb ginge. Der nächtliche Lkw-Verkehr in Weilbach – das habe Gerd Mehler ebenfalls missverstanden – habe die BI im Vergleich mit dem Nachtflugverbot für Flörsheim angeführt: Dabei gehe es um die Lärmbelästigung, erklärt Siebel. Während der Lärm nachts landender Flugzeuge den Flörsheimern jetzt noch erspart bliebe – „und wir hoffen mit den Flörsheimern, dass das so bleiben möge“ –, rollten seit Mitte 2011 Nacht für Nacht bis zu 240 Laster durch Weilbach. Tendenz steigend. Und so werde es bleiben, ob mit oder ohne Ampel.

Zwei Bauabschnitte 

Die Bürgerinitiative stellt klar: „,Weilbach wehrt sich’ begrüßt die Aufteilung des Baus der Umfahrung Weilbachs in zwei Abschnitte ausdrücklich, da uns – wie allen anderen – bewusst ist, dass für den Abschnitt zwischen der Raunheimer- und der Rüsselsheimer Straße noch mehr Arbeiten zu erledigen sind.“ Für den Teil der kleinen Ortsumfahrung zwischen der Frankfurter und der Raunheimer Straße könne auf Planungen der abgelehnten, großen Umgehungsstraße zurückgegriffen werden, sagt Siebel. „Wir sind daher allen Parteien dankbar, dass sie diesen Abschnitt auf den Weg gebracht haben, und wir erwarten, dass er so schnell wie möglich gebaut wird.“

In punkto des zweiten Bauabschnittes würden Bürgermeister Michael Antenbrink, die SPD und die Galf schon jetzt von einer Zeitspanne von 10 bis 15 Jahren oder mehr bis zur Umsetzung gesprochen. „Was ist seitens der Stadt in Bezug auf diesen zweiten Bauabschnitt im Jahr 2011 geschehen?“, fragt nun Werner Siebel. „Es war immer nur die Rede von großen Schwierigkeiten. Nicht einmal ein Trassenplan wurde skizziert. Wenn nicht mit Nachdruck und gemeinsam auf allen Ebenen agiert wird, steht zu befürchten, dass Herr Antenbrink, SPD und Galf mit ihrem Zeitplan Recht behalten werden. Damit findet sich ,Weilbach wehrt sich’ nicht ab.“ hk/rem

Quelle: (Höchster Kreisblatt) zum Artikel