76 Dezibel beim Vorkühlen

Wie laut die Transthermos-Lkw sind, bekamen Kommunalpolitiker auf dem Firmenareal erklärt

Lärm ist das beherrschende Thema im Stadtgebiet. Während sich die Bewohner der Kernstadt sowie von Wicker über Fluglärm beschweren, klagen die Weilbacher über Verkehrslärm auf den Durchfahrtsstraßen. Eine Ortsbeiratssitzung im Lager des Logistikunternehmens Transthermos sollte Aufschluss über den Lärm geben, der von den Kühltransportern des Logistik-Unternehmens ausgeht.

Von Sascha Kröner

Weilbach. Der Stadtteil leide nicht bei bestimmten Wetterlagen, sondern durchgehend unter dem Verkehrslärm, vor allem auch in der Nacht, argumentiert die Bürgerinitiative „Weilbach wehrt sich“. Dass die Kreuzung Rüsselsheimer Straße/Frankfurter- und Mainzer Straße durch den geplanten Ausbau „Lkw-tauglich“ gemacht werde, passt vielen Weilbachern überhaupt nicht. Die Firma Transthermos versuchte ihren Anteil an der Lärmbelastung nun beim Ortstermin in und vor dem riesigen Kühlhaus auf dem ehemaligen Hertie-Gelände offen zu legen. Dabei erklärten Vertreter des Unternehmens unter anderem, dass die Lkw samt Anhänger mit Kühlaggregaten nicht mehr Lärm verursachten als gewöhnliche Lastwagen.

100 Lkw-Fahrten 

Teamgeist – gemeinsam in einem Takt zu rudern – das sei das Ziel der Transthermos, erläuterte Geschäftsführer Sebastian Dietrich die Unternehmensphilosophie. „Wir haben aus Presseberichten erfahren, dass man unsere Lkw hier wahrnimmt“, erklärte Dietrich. Er meint, dass dem Betrieb keine große Wahl bleibe. Die Gesellschaft arbeite mit allen deutschen Herstellern von Tiefkühlwaren in irgendeiner Form zusammen. Jede der insgesamt 15 Niederlassungen in Deutschland müsse in der Lage sein, innerhalb von 24 oder maximal 48 Stunden jeden anderen Standort beliefern zu können. Bundesweit sind rund 800 Transport-Fahrzeuge für die Transthermos im Einsatz. Am Flörsheimer Standort zählt das Unternehmen derzeit rund 100 Lkw-Fahrten täglich. Zwischen 17 bis 20 Fahrzeuge liefern zwischen 22 und 4 Uhr nachts Waren in der Kühlhalle ab.

Wie er es sich vorstelle, dass man bei den Einsätzen rund um die Uhr nichts von den Transporten merke, wollten die Ortsbeiratsmitglieder von Dietrich wissen. Bei jeder Produktion komme es zu Emissionen, führte der Geschäftsführer aus. Das Unternehmen tue aber alles, um Belastungen so gering wie möglich zu halten. In einer anschließenden Diskussionsrunde wurde darauf hingewiesen, dass Transthermos zur Fahrt durch Weilbach gezwungen sei. Das Regierungspräsidium Darmstadt erlaube Lastwagen, die das Gelände verlassen, nur die Ausfahrt nach rechts, obwohl dies manchmal Umwege für die Lieferungen bedeute. Bürgermeister Michael Antenbrink stellte in Aussicht, dass die Stadt nach der Fertigstellung der neuen Linksabbiegerspur auf der Weilbacher Straße einen Vorstoß beim Regierungspräsidium versuchen könne, um Lastern die Ausfahrt in die andere Richtung zu ermöglichen.

Die Dieselmotoren der Kühlmaschinen in den Transport-Anhängern verursachen eine Geräuschkulisse von 76 Dezibel bei hohen Drehzahlen und 72 Dezibel bei niedrigen Drehzahlen. Kommen Elektromotoren zum Einsatz, liegt der Lärmwert immerhin noch bei 68 Dezibel. Hohe Drehzahlen sind laut Armin Betz, Leiter des Flörsheimer Standortes, nur bei der Vorkühlung der Anhänger auf dem Hof notwendig. Danach werde die Kältegrade nur noch „gehalten“. Der langjährige Mitarbeiter Heinrich Pfeiffer versicherte, dass alle Geräusche der Kühlaggregate während der Fahrt unterhalb der Fahrgeräusche lägen. Laut Andreas Wörner, Pressesprecher der Stadt, bestätigte sich diese Einschätzung bei einer abschließenden Präsentation der Fahrzeuge.

Geschäftsführer Dietrich wollte nicht ausschließen, dass sich mit der geplanten Erweiterung der Lagerfläche 2013 auch zusätzliche Fahrten ergeben. Da die Halle als langfristiges Lager für Großkunden genutzt werde, nehme die Zahl der nächtliche Anlieferungen aber in einem geringerem Maße zu als die Auslieferungen am Tag. An keinem anderen Standort in Deutschland spiele das Thema Lärm eine derart große Rolle wie in der Mainstadt, sagte Dietrich.

Quelle: (Höchster Kreisblatt) zum Artikel